27. Januar 2023

Kindermund tut Wahrheit kund


Krieg ist die größtmögliche Häufung schrecklicher Ereignisse durch menschliches Versagen.


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Annalena B., zur Zeit Außenministerin der Bundesrepublik Deutschland, hat wieder geplappert.

31.7.1914 Deutschland in Kriegszustand

Diesmal am 24. Januar 2023 bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, → als ihr der Satz entschlüpfte:
"We are fighting a war against Russia and not against each other."

Der erste Teil dieses Satzes ("Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland") ist leider wahr – und zugleich das unbeabsichtigte Eingeständnis, dass die Urheberin keinen Schimmer von Diplomatie hat und statt dessen die ihr vorgesetzte → Propaganda wiederkäut. 

Die Außenministerin ist die ranghöchste Diplomatin Deutschlands; sie vertritt das Land außenpolitisch in aller Welt.
Ihre Äußerungen werden Deutschland zugerechnet.
Aber Annalena B. plappert mit ihrem dürftigen Wissen daher wie ein unschuldiges Kind, das sie nicht mehr ist. Kindermund tut Wahrheit kund.

Eine andere alte Redensart sagt: Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Redensarten des Volksmunds sind Ausdruck prädigitaler Schwarmintelligenz.

Noch ist das Jahr 2023 keinen Monat alt – und es droht schon jetzt zum Jahr der Schande für Deutschland zu werden.


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Text im Bild:

Berliner Tageblatt, 31. Juli 1914

Deutschland in Kriegszustand.

Wie am Schlusse einer Beratung, die heute mittag im Reichskanzlerpalais stattfand und bis 1 Uhr dauerte, amtlich kundgegeben wird, hat infolge der andauernden und bedrohlichen Rüstungen Rußlands der Kaiser auf Grund des Artikels 68 der Reichsverfassung Deutschland in Kriegszustand erklärt. Es handelt sich dabei um einen vorbereitenden Schritt, der aber einer Mobilisierung noch nicht gleichkommt. ... 


31. Dezember 2022

Waren des täglichen Bedarfs

Wir waren einkaufen. Im Supermarkt. Erworben wurden Waren des täglichen Bedarfs, nämlich Kunst. Der Erwerb war ein Zufallstreffer.

Wir waren in der Sommerfrische im dafür wunderbar geeigneten → Lychen. Die große Politik ist weit weg, und die kleine in der Provinz lässt sich besichtigen an lokalpolitischen Scharmützeln um Hafengestaltung und Wasserliegeplätze. Zwei der leidenschaftlichen Kontrahenten sind unmittelbare Nachbarn, der eine als Betreiber des als Unterkunft sehr zu empfehlenden → Wiekhaus am See und der andere als Inhaber des nebenan liegenden, ebenfalls zu empfehlenden → Hofcafé und Bioladen Vogelgesang.

Nach einer unseren zahlreichen Radtouren kehrten wir zurück ins übersichtliche Zentrum von Lychen und hofften auf koffeinhaltige Getränke in einer neben dem → sowjetischen Ehrenfriedhof Hohenlychen gelegenen kleinen Eisdiele. Dort gab es leider nur Speiseeis. Vor dem Nebengebäude, einem unscheinbaren Flachbau mit dem Charme eines Supermarkts, erspähten wir ein bescheidenes, aber magisches Schild: "galerie, café, shop". Mit der automatischen Glastür öffnete sich ein Supermarkt eigener Art: eine geräumige Ladenfläche, licht und hell, mit großzügig angeordneten Ausstellungsflächen statt eng gestellter Regale, ergänzt mit einer Lounge und einem kleinen Shop. Wir waren im → KunstPlatz Lychen gelandet. Als wir die an der Bar erstandenen kalten und dann heißen Erfrischungsgetränke genossen, ist es passiert: Zwei Kunstwerke zogen uns in ihren Bann – die Rote Vase von Robert Günther und die Scharfe Mischung von Gudrun Lomas.


Die Rote Vase,
von der Motorsäge gezeichnet,
grob geschliffen und gewachst,
fühlt sich samtig an.
Sie steht nun auf
einer alten Truhe
aus gleichem Material.

"Rote Vase" Robert Günther
"Rote Vase" Robert Günther


So wie man das Gesicht verzieht,
wenn die Mischung
zu scharf war,
so verzogen
ist der Keilrahmen.

"Scharfe Mischung" Gudrun Lomas
"Scharfe Mischung" Gudrun Lomas


Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (→ F. Nietzsche).
Ohne Bücher, Bilder und Plastiken ebenso.
Die Rote Vase und die Scharfe Mischung bereichern jetzt unser Wohnzimmer und leisten dort ihren Beitrag zur seelischen Erhebung. Als Waren des täglichen Bedarfs.
Wie → Robert Günther schreibt: "Kunst ist Lebensmittel."